Arbeitnehmer, die an Betriebsveranstaltungen ihres Arbeitgebers, wie gerade aktuell an Weihnachtsfeiern, teilnehmen, haben im Regelfall dadurch einen geldwerten Vorteil, es sei denn, die Veranstaltung wird in ganz überwiegendem eigenbetrieblichen Interesse durchgeführt.
Steuerpflichtiger Arbeitslohn ergab sich bislang immer dann für den Arbeitnehmer, wenn die Aufwendungen des Arbeitsgebers für solche Veranstaltungen die Freigrenze von 110,00 € überschritten haben. Auch wenn bisher die Finanzverwaltung eine andere Auffassung hatte, welche Aufwendungen einzubeziehen waren, machte der BFH für die Zeit bis zum 31.12.2014 deutlich, dass in die Betragsgrenze nur diejenigen Aufwendungen einzubeziehen sind, die den Arbeitnehmern auf der Veranstaltung unmittelbar zugute kommen (also ohne Rahmenprogramm bzw. Saalmiete). Die Kosten, soweit sie auf die Begleitperson sind, tangierten die Freigrenze von 110,00 € nicht. Soweit die Situation bis zum Jahresende 2014.

Die bisherige Verwaltungsauffassung  soll nunmehr durch die Neuregelung des § 19 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1a EStG gesetzlich in vielen Bereichen festgeschrieben werden. Satz 1 dieser Vorschrift definiert eine "Betriebsveranstaltung", wobei Satz 2  nunmehr, entgegen der BFH-Auffassung, festlegt, dass Zuwendungen an den Arbeitnehmer alle Aufwendungen des Arbeitgebers darstellen; also nicht nur die individuellen Kosten für den Arbeitnehmer, sondern auch auch die o. g. Aufwendungen, die dem Arbeitnehmer nur mittelbar zugute kommen (Rahmenprogramm, Saalmiete, etc.).

Unverändert soll es bei der Teilnahme an zwei Betriebsveranstaltungen pro Jahr bleiben, für die jeweils die Freigrenze (siehe unten) greift. Ab der dritten Veranstaltung liegt in voller Höhe Arbeitslohn vor.

Ab 01.01.2015 sollen nunmehr, was die frühere Verwaltungsauffassung bestätigt und den Urteilen des BFH entgegenläuft, die Zuwendungen an die Begleitperson dem Arbeitnehmer zugerechnet werden. Der neue § 19 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1a EStG sieht die Anhebung der Freigrenze von 110,00 € auf 150,00 € für die einzelne Veranstaltung vor.

Am 03.12.2014 wurde diese beabsichtigte Freigrenze von 150,00€ durch den Finanzausschuss des Bundestages gestrichen und die bisherige Freigrenze von 110,00 € durch einen Freibetrag von 110,00 € ersetzt.

Damit sind nur die Aufwendungen als steuerplichtiger Arbeitslohn zu erfassen, die den Freibetrag übersteigen. Insgesamt handelt es sich, auch wenn durch diese Freibetragsregelung eine gewisse Abmilderung geschaffen wurde, um eine für den Steuerbürger nachteilige Neuregelung.

Ich frage mich abschließend, wie die Gemeinkosten detailliert ermittelt werden sollen, denken Sie doch nur daran, wenn die Veranstaltung in arbeitgebereigenen Räumlichkeiten stattfindet; anteilige Heizungs-, Stromkosten sind hier nur eine Größe, deren Ermittlung durchaus mit Schwierigkeiten einhergehen könnte.

Lassen Sie sich durch diese Neuregelung nicht abschrecken und genießen Sie die anstehenden Weihnachtsfeiern.

Diplom-Finanzwirt Günter Stein Steuerberater