"KISTAM"

Sofern Kapitalgesellschaften (z.B. GmbH) nach dem 31.12.2014 an ihre Gesellschafter Ausschüttungen vornehmen (Abgeltungseinkünfte) sind sie verpflichtet, auch die Kirchensteuer auf die Abgeltungssteuer einzubehalten.

Um festzustellen, ob der einzelne Gesellschafter überhaupt kirchensteuerpflichtig ist bzw. welcher Konfession er angehört, musste die Gesellschaft über das BZSt (Bundeszentralamt für Steuern) das Kirchensteuerabzugsmerkmal (KISTAM) abfragen. Dies musste erfolgen, obgleich der Gesellschaft unter Umständen entsprehende Informationen zur Kirchensteuerpflicht bereits vorlagen. Es war ein mühseliges und umständliches Verfahren, musste aber praktiziert werden, weil ansonsten ab 2015 keine Kapitalertragsteuer mehr angemeldet werden konnte.

Das BZSt hat zwischenzeitlich auf seiner Internetseite alle Religionsschlüssel veröffentlicht.
Wozu denn dann noch diese umständliche Abfrage? Gesagt getan... es wurde im Kollegenkreis der Versuch gestartet, diesen Schlüssel manuell zu entnehmen und die Kapitalertragsteuer, OHNE die KISTAM-Abfrage, anzumelden. Es war möglich! Man stellt sich die Frage, was diese Abfrage dann überhaupt sollte, eine Schikane? Man spricht in Fachkreisen von einem Skandal.

Innerhalb von zwei Monaten wurden alleine ca. 180 Millionen Anfragen an das BZSt gerichtet (und beantwortet). Die Frage, welche Kosten durch dieses Verfahren entstanden sind, stellt man sich besser nicht...